Einkaufsberatung: Soundkarten

Geschichtliches

Klanggewaltig: Soundkarten

Am Anfang war nur Piepsen. Als der PC vor einigen Jahren die privaten Haushalte eroberte, war dem Rechner nur selten mehr als ein klägliches Schnarren und Piepsen zu entlocken. Als reine Bürogeräte brauchten Computer im Gegensatz zu Heimunterhaltungsgeräten auch keinen mehrkanalfähigen Sound. Das änderte sich jedoch grundlegend mit der zunehmenden Nutzung als Multimediagerät. Mittlerweile sind Computer für immer mehr Menschen fast schon der Lebensmittelpunkt, der PC ist zum Alleskönner geworden. Eine Soundkarte spielt dabei eine große Rolle - um Musik abspielen zu können, für realistische Computerspiele, spannende Videos oder zum Bearbeiten und Musik und Podcasts.

Ein kleiner Rückblick über die Soundkarten der vergangenen Jahre

In den 1980er Jahren war PC-Sound mehr oder weniger unbekannt. Damalige Computer konnten dem Nutzer Fehlermeldungen dahinpiepsen, mehr Klang war nicht erwünscht. Erst als im Jahre 1987 die Firma Adlib die erste Soundkarte auf den Markt brachte, erwachte das Interesse am Sound. Und auch wenn der Klang dieser spartanisch ausgestattenten Soundkarte eher zweifelhafter Natur war, die Adlib-Karte brachte einen Stein ins Rollen. Im Gegensatz zur zeitgleich erschienenen MIDI Soundkarte MT-32 der Firma Roland war die Adlib Soundkarte auch für Musik-Laien bezahlbar. Zu einer Lawine wuchs sich dann die Einführung der Soundblaster Soundkarte der Firma Creative Labs aus. Erstmals konnte eine Soundkarte Digitalsound abspielen und sogar aufnehmen. Lange Jahre sollte "Soundblaster Kompatibel" ein Qualitätsmerkmal für Soundkarten sein. Spätere Soundkarten kombinierten dann die beeindruckenden Orchesterklänge einer MIDI Soundkarte mit den Digitalfähigkeiten der Soundblaster, Computerspiele beeindruckten erstmalig auch auf dem PC mit klanggewaltiger Musik und digitaler Sprachausgabe. Mit der steigenden Rechenleistung der Computer setzte sich zur Musikuntermalung allerdings auch die digitalisierte Musik als MP3 durch - natürlich abgespielt von der Soundkarte.

MP3, das Musikkompressionsverfahren des deutschen Fraunhofer-Instituts, revolutionierte den Musikgenuss nicht nur am PC. Der Siegeszug der MP3 wäre allerdings ohne eine Soundkarte im PC undenkbar gewesen. Heutzutage verfügt jeder Computer über sogenannten Onboard-Sound, einfache Soundausgabechips auf dem Mainboard. Eine dedizierte Soundkarte lohnt sich allerdings noch immer - für Spieler oder für Musikbearbeitung.

Gamingsound

Computerspieler sind anspruchsvoll - natürlich auch bei der Soundkarte.

Oft finden sich die hochwertigsten Komponenten in einem Gamer-PC. Neben flotten Grafikkarten und rasant rechnenden Prozessoren, viel Arbeitsspeicher und flotten SSDs gehört auch eine hochwertige Soundkarte zur Grundausstattung eines Gaming-Computers. Die Soundkarte kann dabei der CPU zwar ein wenig Rechenarbeit bei der Verarbeitung des Spiele-Sounds abnehmen, der Hauptgrund für eine Soundkarte im Rechner ist aber für viele Spieler ein anderer. Speziell für Computerspiele entwickelte Soundkarten wie beispielsweise die X-Fi-Modelle der Soundkartenpioniere von Creative können in Spielen noch realistischere Klangwelten erzeugen als ein schnöder Onboardsound. Der hochentwickelte Digitale Signalprozessor (DSP) auf einer hochwertigen Soundkarte verändert den Klang je nach dargestellter Umgebung: Die Schritte der Spielfigur klingen so auf einem Teppich gedämpft und auf Metallplatten laut und blechern. In einer weitläufigen Höhle wird der Klang mit einem entsprechenden Hall und Echo verarbeitet. Geht der Spieler jetzt aus der Höhle in einem Gang, ändert sich der Klang nicht abrupt sondern realistisch. Das Spielgefühl wird durch realistischen Sound stark aufgewertet - denn was bringt die beste 3D-Grafikkarte, wenn das Mittendrin-Gefühl durch blechernen Ton ruiniert wird?

Natürlich ist eine hochwertige Soundkarte für anspruchsvolle Spieler auch mit der Möglichkeit ausgestattet, Raumklang darzustellen. 5.1 oder gar 7.1 Lautsprecheranordnungen, also sieben Satellitenlautsprecher und ein Basslautsprecher, sind problemlos realisierbar, auf Wunsch auf Digital und mit THX-Klangzertifizierung.

Musikerstellung

Hobbymusiker und Profis brauchen hochwertige Soundkarten

Wird der Computer für die Musikbearbeitung als kleines Tonstudio genutzt, bietet sich der Einsatz einer entsprechend ausgestatteten Soundkarte an. Auch wenn die Klangqualität einer aufs Mainboard integrierten Soundkarte mittlerweile leidlich gut geworden ist, mangelt es den integrierten Lösungen doch meist an Ein- und Ausgängen. Zudem benötigt ein Musiker zuverlässig niedrige Latenzen um sinnvoll musizieren zu können. Die Latenz gibt dabei die Verzögerung zwischen dem Entstehen eines Tones und der Ausgabe des Klangs an. Zu hohe Latenzen nimmt das Gehirn wahr, die Musikerstellung wird durch die Latenz erschwert. Eine für die Musikbearbeitung ausgelegte Soundkarte nutzt im Gegensatz zu einfachen Onboardlösungen hochwertige Signalprozessoren und auf niedrige Latenzen ausgelegte Treiber, so dass der PC-Musiker von diesem Problem verschont bleibt.

Eine Onboard Soundkarte bietet leider nur recht wenige Ein- und Ausgänge. Lautsprecherausgänge für 5.1-Raumklang und ein Mikrofonanschluss, oft Umschaltbar zum unverstärkten Line-In, ist oft schon das Höchste der Gefühle. Um aber hochwertiges Audioequipment an den Rechner anschließen zu können fehlt es an Eingängen. Vernünftig vorverstärkte Mikrofoneingänge, Cinchbuchsen für die Ein- und Ausgänge sowie hochwertige Wandler auf der Karte finden sich nur bei einer entsprechenden Soundkarte.

Soundkarten für Musiker müssen übrigens nicht zwingend per PCI oder PCIe im Rechner stecken. Aufgrund niedriger Latenzen hat sich auch Firewire für externe Soundkarten etablieren können. Eine solche externe Soundkarte ist sehr flexibel einsetzbar und funktioniert auch am Notebook.

DJ-Lösungen

Festplatte anstatt Schallplatte - moderne DJs mixen am PC

Nicht nur bei der privaten Geburtstagsfeier sondern zunehmend auch auf professionellen Musikveranstaltungen arbeitet der DJ mittlerweile ganz mit Notebook und digitial gespeicherter Musik. Anstelle der umfangreichen Schallplattensammlung oder Unmengen an CDs lässt sich ein prall gefülltes Musikarchiv problemlos auf einer Festplatte transportieren und mit der Soundkarte abspielen.

Notebook, Musikfestplatte und Kopfhörer reichen DJs mit gehobenen Ansprüchen nicht mehr aus. Für den Einsatz als mobiler Musiklieferant bieten sich portable Computer natürlich an, allerdings ist die Klangqualität einer integrierten Soundkarte in fast allen Fällen nicht ausreichend. Zudem lässt sich an diese einfache Soundkarte kein Kopfhörer zum Probehören weiterer Tracks anschließen, der einzige Ausgang des Rechners ist ja schon durch die Musikanlage blockiert.

Abhilfe schaffen externe Soundkarten, per USB oder Firewire angeschlossen. Diese bieten, wie auch die Modelle zur Musikerstellung, zahlreiche von hochwertigen Wandlern unterstützte Ausgänge für die Soundanlage und den Kopfhörer des DJs. Besonders hochohmige Kopfhörer benötigen eine ausreichende Verstärkung des Kopfhörerausgangs der Soundkarte, ein weiterer Punkt, den integrierte Onboard Soundkarten nicht bieten können.

Ist allerdings nur der Einsatz auf der heimischen Party gefragt, könnte auch eine vergleichsweise preiswerte USB Soundkarte mit integrierter Turntable-Funktion interessant werden. Diese Modelle greifen auf die Musiksammlung im PC zurück und offerieren zahlreiche Mixing-Funktionen. Geschwindigkeit und Tonhöhe lassen sich so beispielsweise mit Schiebe- oder Drehreglern bequem verändern, dem spannenden Musikmix sind damit keine Grenzen gesetzt.